»Rilke ist einer der größten Dichter, die es je gegeben hat.« Patti Smith
Im Jahr 1902 erhält Rainer Maria Rilke Post von einem jungen Mann, Franz Xaver Kappus, einem literarisch begabten, 19-jährigen Offiziersanwärter. Kappus ist sich nicht sicher, welche Richtung er in seinem Leben einschlagen soll, und fragt daher den großen, nur wenige Jahre älteren Dichter um Rat. Anstatt es bei einer einfachen Antwort bewenden zu lassen, schob Rilke eine tiefgründige und detaillierte Erklärung nach, warum es so verführerisch und auch so schädlich ist, sich auf die Meinungen und Ratschläge von anderen zu verlassen, wenn man zu dem Menschen werden möchte, der man eigentlich ist. Die Ansichten von anderen können einem zwar eine Richtung weisen, doch Rilke zufolge lenken sie von der eigenen, wahren Bestimmung ab.
Die 1929 herausgegebene Sammlung der Rilke-Briefe hat Epoche gemacht und ganze Generationen immer wieder inspiriert. Auch wenn man keinerlei Neigung verspürt, Dichter zu werden, ist der Rat, alle Aspekte des eigenen Lebens mit dem Sinn zu vereinen, dem man seinem Leben geben möchte, zutiefst bestärkend. Es ist ein einfacher Zuspruch, das Schwerste im Leben zu bewältigen, um zu werden, was man ist.
»Ich lese jeden Tag Rilke.« Lady Gaga, die sich ein langes Zitat aus Briefe an einen jungen Dichter auf Deutsch auf ihren linken Oberarm tätowieren ließ
Im Spätherbst 1902 war es - da saß ich im Park der Militärakademie in Wiener Neustadt unter uralten Kastanien und las in einem Buch. So sehr war ich in die Lektüre vertieft, daß ich kaum bemerkte, wie der einzige Nicht-Offizier unter unseren Professoren, der gelehrte und gütige Akademiepfarrer Horacek sich zu mir gesellte. Er nahm mir den Band aus der Hand, betrachtete den Umschlag und schüttelte den Kopf. -Gedichte von Rainer Maria Rilke?- fragte er nachdenklich. Hier und dort blätterte er dann auf, überflog ein paar Verse, schaute sinnend ins Weite und nickte schließlich. So ist aus dem Zögling Rene Rilke also ein Dichter geworden.