Migration und Nationalismus sind zwei Phänomene, die sich häufig gegenseitig zu bedingen scheinen. Dabei versteifen sich die Argumente vielfach auf Fragen von Herkunft und Identität, Zugehörigkeit und Integrationswillen. Unüberbrückbare Differenzen werden inszeniert. Gerade populistische Argumentationsmuster verweisen dabei auf die Probleme, die mit intensiven Migrationsbewegungen einhergehen, und bedienen dabei nationalistische Denkweisen und Ressentiments.
Frank Jacob unterzieht die Verflechtung von Migration und Nationalismus einer kritischen Analyse und zeigt anhand historischer Beispiele sowie aktueller Debatten die tatsächlichen Schnittpunkte auf. Jacob demonstriert, wie Nationen sich konstituieren, aber auch wandeln können, wie Zugehörigkeiten definiert, abgegrenzt oder erweitert werden. Darüber hinaus diskutiert er, welche Rollen Migrantinnen und Migranten sowie den Gesellschaften der Zielländer zukommt, wenn es darum geht, auszuhandeln wer Teil einer Nation ist und wem der Zugang zur nationalen Gemeinschaft verwehrt wird.
Um die Jahrtausendwende schien das Ende der Nationalstaaten gekommen zu sein. Mittlerweile greift jedoch eine Renaissance des Nationalstaates um sich, gerade in Deutschlands öffentlicher Wahrnehmung ausgelöst durch die Flüchtlingskrise des Jahres 2015. Dieser Band weitet den Blick über die aktuelle Situation hinaus und bietet eine historische Diskussion der Zusammenhänge zwischen Migration und Nationalismus. Deutlich wird, dass Migration ein in der Geschichte durchaus üblicher Vorgang ist, den es zu nutzen und zu entideologisieren gilt. Die Gefahren für Gesellschaft und Staat liegen nämlich weniger auf der Ebene konkreter Politik, sondern in der Bagatellisierung bzw. Trivialisierung extrem-nationalistischer Tendenzen. Dem entgegen setzt das Buch eine fundierte historische Beschreibung und Beurteilung von Migration und Nationalismus in der Neuzeit und fordert zu einer besonneneren Auseinandersetzung mit einem aktuellen Problem postmoderner Nationalstaaten auf.